Logistikregeln mit SAP BRFplus

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Logistikregeln mit SAP BRFplus

Das Business bestimmt, das System übernimmt.

 

Um als Unternehmen zu bestehen, muss man sich im schnell ändernden Marktumfeld von heute und in Zeiten digitaler Transformation von seiner Konkurrenz differenzieren. Die heutige Technologie erlaubt Einblicke in relevante Echtzeit-Daten zur Entscheidungsfindung. Es sind jedoch besonders die Geschäftsprozesse, die eine Differenzierung möglich machen. Für die Automatisierung von Prozessen braucht es Regelwerkstechnologie. Durch diese können standardisierte Prozesse gesteuert werden.

 

An dieser Stelle kommen Business Rules und deren Konzept zum Greifen, welche in Unternehmen und Produkten immer mehr Fuß fassen sowie in andere Bereiche adaptiert werden. Viele Firmen haben die Notwendigkeit erkannt, operative Entscheidungen automatisiert zu treffen und somit die Prozesseffizienz ihrer Logistik zu steigern.

 

Innerhalb einer Logistikkette müssen regelmäßig anhand gleichbleibender Kriterien Entscheidungen getroffen werden. Beispielhaft hierfür wäre eine Avisierung durch ein SAP EWM an einen Spediteur, ab einer bestimmten Warenmenge im Warenausgang.

 

Es stellt sich die Frage, wie SAP BRFplus Logistikentscheidungen automatisieren und anhand stringenter Logik treffen bzw. ausführen kann. Wie jedes vom Menschen geschaffene System, ist es zu Beginn nicht sonderlich intelligent. Es braucht jedoch auch keine Heerscharen von SAP Consultants, um SAP BRFplus zu nutzen und zu konfigurieren. Somit wird die ohnehin schon finanziell attraktive Technologie der SAP noch interessanter, da keine Lizenzkosten on top anfallen. Das Geschäftsregelmanagement-Produkt der SAP ist Bestandteil des SAP NetWeaver Application Servers und benötigt lediglich die Version 7.02, um genutzt werden zu können. Die Einrichtung von Geschäftsregeln kann durch die Business-Abteilung eines Unternehmens vorgenommen werden. Um dies zu ermöglichen, wurde der Aufbau von SAP BRF+ gezielt benutzerfreundlich und äußerst strukturiert aufgebaut.

 

Der Aufbau untergliedert sich in drei Kernbestandteile, die sich wie folgt definieren:

  • BRFplus Workbench

Web Dynpro basierende Designoberfläche zur Anlage von Unternehmensregeln.

  • BRFplus Rules Engine

Steuerung der Ausführung und Übersetzung von Geschäftsregeln.

  • BRFplus Rules Repository

Verzeichnis zur Verwaltung und Ablage von BRFplus Objekten.

 

Der Aufruf einer Geschäftsregel kann aus verschiedenen Quellen erfolgen. So kann eine Geschäftsregel aus einer SAP Applikation, einem User-Exit/BAdI, oder auch aus einer komplett eigenständigen Entwicklung innerhalb von SAP aufgerufen werden. Der Aufruf erfolgt jedoch nicht direkt, sondern über eine SAP BRFplus Funktion, welche wiederum die Regel aufruft. Grund hierfür ist eine Kapselung, die größtmögliche Flexibilität und Wiederverwendbarkeit ermöglicht, wie es aus modernen Programmiersprachen bekannt ist.

 

 

Stellungnahme Prof. Dr. Peter Zencke über Geschäftsregel-Technologie

Ausschnitt aus einem persönlichen Interview mit Prof. Dr. Peter Zencke, ehemaliges Vorstandsmitglied und Leiter der Forschungsbereiche bei SAP.

Es wird großes Wachstum in Bereichen wie z. B. der Cloud geben. Durch dieses Wachstum werden sich die Techniken wie Geschäftsregel-Management (BRMS) verändern und weiterentwickeln müssen. SAP Business ByDesign ist ein Beispiel für eine solche Weiterentwicklung in andere Bereiche. Das Anpassen und Scoping von ByDesign verwendet unter anderem eine Adaption Engine, welche auf sehr ähnliche Weise wie eine Business Rule Engine fungiert. Die Entscheidung, welcher Geschäftsprozess oder ab wann etwas z. B. automatisiert werden soll, ist bei Weitem nicht so trivial wie es zuerst den Anschein hat. Betrachtet man z. B. ein BRMS im Bereich der Medizin, könnten fehlerhafte Entscheidungen lebensgefährlich werden und sind somit schwer vorstellbar. Festzuhalten ist, dass sich die Technologie rund um BRMS noch in den Kinderschuhen befindet und noch einige Jahre brauchen wird, um ausgereifter zu sein und somit das Potential zu entfalten, welches ihm innewohnt. Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass viele Berater, welche in diesem Bereich tätig sind, das System nicht perfekt designen bzw. einsetzen wollen. Grund hierfür ist, dass sie ansonsten an Bedeutung und Notwendigkeit verlieren würden. Allgemein spielt das ganze Thema auch in dem Bereich Knowledge Management, welcher äußerst komplex sowie ausbaufähig ist. Auch die Frage nach Fehlentscheidungen oder Missbrauch ist noch zu betrachten und zu klären. Ein solches System hat viel Einfluss und somit auch Macht. Diese gilt es, zielgerichtet einzusetzen. Abschließend ist zu sagen, dass großes Potential sowie Relevanz für die Zukunft besteht. Es stehen jedoch noch einige ungeklärte Fragen im Raum und viele Tools sind nicht auf dem Entwicklungsstand, wie es gerne suggeriert wird.

Zusammenfassend bietet die Regelwerkstechnologie der SAP die Vorteile, dass SAP BRFplus in einem Unternehmen positive Effekte wie eine höhere Transparenz, bessere Flexibilität und gesteigerte Effizienz erreichen kann. Positiv ist auch, dass SAP BRFplus in einem Unternehmen risikofrei getestet werden kann, da keine Lizenzkosten entstehen. Allerdings ist auch SAP BRFplus nicht das eine Tool, das automatisch zum Erfolg führt. Viele Fragen stehen noch offen, wie: „Was sind die Folgen bei einer Fehlentscheidung in einem kritischen Bereich?“ oder die Kernfrage: „Was soll automatisiert werden bzw. darf automatisiert werden?“

 

Somit kann SAP BRFplus bestimmte operative Entscheidungen automatisieren und auch vereinfacht Einfluss auf verschiedene Geschäftsprozesse ermöglichen. Jedoch ersetzt SAP BRFplus nicht das Konzipieren und stringente Umsetzen von Geschäftsprozessen, samt Customizing, oder ergänzender Entwicklungen.

 

Themen die weiterleitend Empfohlen werden: SAP Decision Service Management – Erweiterung von SAP BRFplus.

Rüdiger Ziemelis

Rüdiger Ziemelis

Geschäftsführer bei Priotic GmbH
Rüdiger Ziemelis

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